Of Life and Death

Die Serie About Life and Death markiert einen Wendepunkt in Reinhard Stammers Schaffen. Erstmals richtet sich der Blick konsequent nach innen – weg von äußeren Formen, hin zu den existenziellen Themen des Menschseins. Die Gemälde dieser Reihe sind roh und reduziert, oft in erdigen, grauen und blutroten Tönen gehalten. Fragmente menschlicher Körper, Schädel, Schatten und Zeichen erscheinen wie Erinnerungen an das, was vergeht – und zugleich als Spuren dessen, was bleibt. Die Malweise ist impulsiv und meditativ zugleich: Farbe wird geschichtet, wieder abgetragen, übermalt. Jedes Werk trägt die Spuren seines Entstehungsprozesses sichtbar in sich. In dieser Spannung zwischen Leben und Verfall, zwischen Verletzlichkeit und Überdauerung, findet Stammer zu einer neuen, existenziellen Klarheit. About Life and Death ist keine Serie über den Tod – sie ist eine Auseinandersetzung mit dem Leben selbst, mit seiner Fragilität, seiner Tiefe und seiner Würde. Vor einigen Jahren stellte er eine Serie von Bildern in Köln aus – gehängt nach seinem eigenen Empfinden, ohne über eine tiefere Ordnung nachzudenken. Ein Besucher trat auf ihn zu und zeigte Interesse am Kauf eines einzelnen Werks. Doch der Künstler bestand darauf, die Serie nur als geschlossenes Ganzes zu verkaufen. Daraufhin machte ihn der Besucher auf etwas aufmerksam, das ihm selbst bis dahin entgangen war: Die Reihe folge unbewusst einer metaphysischen Ordnung. Sie beginne mit Schwarz – Symbol der materiellen Welt – und ende in Violett, der Farbe der Unendlichkeit. Dazwischen zeichne sich der Weg des Menschen zur geistigen Erkenntnis ab. In diesem Moment erkannte der Künstler, was er selbst geschaffen hatte, ohne es bewusst beabsichtigt zu haben. Innerhalb von zwei Stunden hatte er – intuitiv und jenseits rationaler Planung – das menschliche Dasein eingefangen. Diese Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag, gleichzeitig faszinierend und entwaffnend ehrlich: Die Wahrheit seines Werks offenbarte sich ihm erst durch den Blick eines Fremden.