{"id":3444,"date":"2026-05-29T23:52:35","date_gmt":"2026-05-29T21:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.reinhardstammerart.com\/?p=3444"},"modified":"2026-05-30T00:21:41","modified_gmt":"2026-05-29T22:21:41","slug":"die-kraft-der-malerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.reinhardstammerart.com\/index.php\/2026\/05\/29\/die-kraft-der-malerei\/","title":{"rendered":"Die Kraft der Malerei"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Portrait des K\u00fcnstlers Reinhard Stammer&nbsp;von Jens Philipp Gr\u00fcndler<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cIn der Malerei sp\u00fcre ich eine Energie, die das Malen einfach geschehen l\u00e4sst. Vielleicht ist es die Kraft, die alles ins Leben gerufen hat\u201d, sagt<br>Reinhard Stammer und erkl\u00e4rt damit, auf welch mannigfachen Ebenen sich seine Kunst abspielt. Auf den ersten Blick erscheint dieses Statement einleuchtend, besch\u00e4ftigt man sich l\u00e4nger mit Stammers Worten, offenbaren sie etwas Geheimnisvolles, schwer Greifbares. Immer wieder geben Kreative zu Protokoll, dass die Antriebsfeder hinter ihrer Kunst einer Art Lebensenergie gleichkommt, einer allumfassenden Kraft.<br>Es sind diese tiefgehenden, eigent\u00fcmlich ber\u00fchrenden Erkl\u00e4rungsversuche, die Aphorismen \u00e4hneln, welche auch in Bezug auf Stammers ?uvre von Bedeutung sind. F\u00fcr den Befragten mag es mitunter schwierig sein, seinen k\u00fcnstlerischen Impetus zu beschreiben, und doch muss immer wieder versucht werden, dem Geheimnis der Kreativit\u00e4t auf die Spur zu kommen.<br>Also bleibt dem Fragesteller nichts anderes \u00fcbrig, als stetig nachzuhaken, auch auf die Gefahr hin, penetrant zu wirken.<br>Was ist das f\u00fcr eine Kraft, die in Stammers Werk waltet? Man ist geneigt, Biografisches zu bem\u00fchen, um Erkl\u00e4rungen zu finden. Doch diese Vorgehensweise entpuppt sich allzu oft als m\u00fchselig und irref\u00fchrend. Ist es denn nicht etwas Wunderbares, wenn sich ein Kunstwerk nicht unmittelbar erschlie\u00dft? K\u00f6nnen wir die Sch\u00f6nheit nicht einfach gelten lassen, ohne Gr\u00fcnde daf\u00fcr zu suchen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Stammers aktuellste Arbeiten, von Abstraktion und Helligkeit gepr\u00e4gt, appellieren direkt an die Seele des Betrachters, rufen Gem\u00fctsruhe und<br>meditative Zust\u00e4nde hervor. Gem\u00e4lde wie das oben abgebildete \u201c2018?\u201d weisen eine hohe \u00e4sthetische Qualit\u00e4t auf, sind eher Kompositionen als Zufallsprodukte.<br>Eine humoristische Weltsicht schreibt sich Stammer im Interview zu, und lockert damit die oftmals mit Kunstdeutung einhergehende, \u00fcbertriebene Interpretationswut. \u201cNo plan, but it\u00b4s o.k.\u201d, nennt Stammer ein in diesem Jahr entstandenes Bild. Nehmen wir dem K\u00fcnstler dieses Augenzwinkern ab?<br>Entstehen seine Kompositionen tats\u00e4chlich planlos? Oder existieren die Gem\u00e4lde bereits in einer Art platonischen Ideensph\u00e4re, und sind schon vor dem Wurf auf Leinwand oder Papier fertig? Gl\u00fccklich muss derjenige Kreative sein, der aus einem Quell von Inspirationen sch\u00f6pfen kann, ohne sich daf\u00fcr anstrengen zu m\u00fcssen! Stammers Output, so der Eindruck, entspringt einem Flow.<br>Seine Bildsprache ist unverwechselbar und von hoher Meisterschaft gekennzeichnet. Auch wenn er abstreitet, ein \u201cweiser Mann\u201d zu sein, hat der Maler doch ein Niveau erreicht, welches unangestrengt von Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Leichtigkeit dominiert wird.<br>Zudem sprechen die Werke des 67-J\u00e4hrigen eine f\u00fcr die Betrachter auf der ganzen Welt adressierende Universalsprache. Dementsprechend f\u00e4llt die internationale Aufmerksamkeit aus, war Stammer mit seinen Gem\u00e4lden doch bereits in Indien, China, London, Sankt Petersburg und der T\u00fcrkei unterwegs. Auch in New York wei\u00df man seine beschwingte, anr\u00fchrende Malweise zu sch\u00e4tzen. Es mutet an, als habe Stammer einen Schl\u00fcssel parat, unter dessen Verwendung er die Begeisterung der Menschen weckt.<br>Gelassenheit und Heiterkeit vermitteln die gegenw\u00e4rtigen Arbeiten des in Handewitt lebenden K\u00fcnstlers, der dort in diesen Tagen eine neue Galerie er\u00f6ffnet. In der aktuellen Phase fielen seine Bilder \u201cfrei und luftig\u201d aus, weil es ihm gut gehe, sagt Stammer. Fr\u00fchere Gem\u00e4lde konnten dagegen durchaus morbide Szenarien enthalten und bei den Betrachtern ein Gef\u00fchl von Verst\u00f6rung hervorrufen.<br>Vergleicht man etwa ein sehr fr\u00fches Werk, wie die \u201cToteninsel\u201d von 1970, mit heutigen Arbeiten, so tut sich eine Kluft auf. Man ist geneigt, die Bilder verschiedenen Urhebern zuzuschreiben, und doch stammen sie von ein und derselben Hand. Stammer erw\u00e4hnt Lebenskrisen, einen Gang durch Licht und Schatten, welcher sein Opus pr\u00e4gt. Die Malerei habe ihn gerettet, und<br>sich im Laufe der Dekaden in eine Richtung entwickelt, die dem Licht mittlerweile den Vorrang gibt.<br>Die N\u00e4he des Malers zu fern\u00f6stlichen Philosophien und Religionen half ihm dabei, sich von dem Teil des Geistes zu befreien, der sich immer wieder auf das Ego bezieht. Vielleicht ist es dieser durchaus \u201cweise\u201d Akt, der herangezogen werden kann, um zu ergr\u00fcnden, weshalb Stammers Bilder tats\u00e4chlich \u201cungewollt\u201d entstehen, wie er sagt. Trotz seiner eingehenden Besch\u00e4ftigung mit der Advaita-Lehre und dem Buddhismus, sei er nicht \u201cerleuchtet worden\u201d. Und doch habe die Mystik einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss auf seine Arbeit. Zieht man das kryptische Wort des Advaita-Lehrers Ramesh Balsekar zu Rate, demzufolge Bewusstsein alles ist, was ist, erkennt man unter Umst\u00e4nden, welch holistischer Anspruch Stammers Werke bedingt, auch wenn der Maler dies von sich weisen w\u00fcrde.<br>Sympathisch ist die Bescheidenheit des Handewitters, dessen k\u00fcnstlerische Herangehensweise in letzter Konsequenz doch geheimnisumwittert, mystisch und unerkl\u00e4rlich bleiben muss. Der Versuch, den Antrieb hinter Stammers Kunst zu beschreiben, darf also als gescheitert gelten. Gerade in der Erkl\u00e4rungslosigkeit entspringt aber ein Quell des hohen Kunstgenusses.<br>Selbst wenn es dem Betrachter nicht gelingen mag, diesen mit Worten zu fassen, steht das Werk von Reinhard Stammer da wie ein seit Ewigkeiten existierender Monolith, wie eine eigene Galaxie, deren Sprache vom Urheber verschl\u00fcsselt wurde. Willentlich, oder nicht, diese Form der Kommunikation von Maler und Betrachter geht mit Universalit\u00e4t einher. Der Dialog von Werk und rezipierendem Auge funktioniert denn auch unmittelbar, und transportiert etwas, das von prim\u00e4rer Bedeutung ist: den \u00e4sthetischen Hochgenuss.<br>Die bald erscheinende Oktober-Ausgabe der \u201ceXperimenta\u201d wird von Reinhard Stammer illustriert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jens Philipp Gr\u00fcndler<br>Kurzbiographie<\/strong><br>Geboren 1977 in Bielefeld, studierte Philosophie in M\u00fcnster, Westfalen. 2015 erschienen die Kurzgeschichtensammlungen \u201eGlaspyramide\u201c und \u201eFl\u00fcssige Schwerter\u201c sowie der Roman \u201eRebellen des Lichts\u201c. Seit 2016 bet\u00e4tigt er sich als Redakteur der Zeitschrift \u201eExperimenta\u201c. Zuletzt wurde der Erz\u00e4hlband \u201eSeelenportal\u201c publiziert. \u201eEinst gemarterte Heilige\u201c, ein Roman, und die Erz\u00e4hlungssammlungen \u201eAlles steht still\u201c und \u201eDas Schweigen der Gedanken\u201c werden zurzeit f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung vorbereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Portrait des K\u00fcnstlers Reinhard Stammer&nbsp;von Jens Philipp Gr\u00fcndler \u201cIn der Malerei sp\u00fcre ich eine Energie, die das Malen einfach geschehen l\u00e4sst. Vielleicht ist es die Kraft, die alles ins Leben gerufen hat\u201d, sagtReinhard Stammer und erkl\u00e4rt damit, auf welch mannigfachen Ebenen sich seine Kunst abspielt. 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